Lacrosse

Lacrosse ist eine Ballsportart, bei der zwei Mannschaften mit je zehn Spielern bzw. zwölf Spielerinnen gegeneinander antreten und versuchen, mit einem Netzschläger den Ball in das gegnerische Tor zu befördern. Lacrosse war bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis und bei den Spielen 1908 in London Wettkampfdisziplin, bei den Spielen 1928 in Amsterdam, 1932 in Los Angeles und 1948 in London Demonstrationssport, verlor danach aber stark an Bedeutung. Lacrosse gilt neben Eishockey als kanadischer Nationalsport.

Geschichte

Das Spiel stammt von den Indianern der Ostküste und der Großen Seen, auf den Gebieten des heutigen Kanadasund der USA. Sie nannten es Baggataway oder auch Tewaraathon („kleiner Bruder des Krieges“) und weihten es dem Kriegsgott. Nicht selten endeten diese Spiele, die zur Vorbereitung auf Kriege mit anderen Stämmen gespielt wurden, tödlich. Die Spiele wurden zum Teil mit mehr als 100 Spielern ausgetragen, und als Tor galt oft ein Stein oder einBaum. Neben der für die Kriegführung als notwendig erachteten Vorbereitung des Teamgeists, wurde das Spiel auch eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen Stämmen und anderen Gruppen zu schlichten. Erstmals erwähnt wurde das Spiel 1634 von dem französischen Jesuitenmissionar Jean de Brébeuf in Ontario, den die Schläger an einenBischofsstab erinnerten und der dem Spiel deshalb den Namen La Crosse gab, das französische Wort für Bischofsstab. In den 1850er Jahren fingen auch Weiße an, sich für Lacrosse zu interessieren. 1856 gründeten die Franzosen den ersten Club, den Montréal Lacrosse Club. Den Siegeszug begann Lacrosse im Jahr 1867. In diesem Jahr wurde der kanadische Verband, Canadian National Lacrosse Association, aus der Taufe gehoben, die Anzahl der Teams stieg von 6 auf ca. 80, und auch der erste Verein der USA wurde gegründet. Erstmals kam das Spiel nachEngland. 1874 gelangte Lacrosse nach Australien und 1878 nach Neuseeland. 1879 wurde der Dachverband in den USA gegründet.

Das erste Frauen-Lacrossespiel wurde 1890 an der Klosterschule St. Leonards in Schottland gespielt – eine Nonne las über Lacrosse und befand, dass dies eine gute Sportart für die von ihr unterrichteten Mädchen wäre. Männer- und Frauen-Lacrosse wurde bis in die Mitte der 1930er Jahre ohne schützende Ausrüstung mit fast den gleichen Regeln gespielt. Zu dieser Zeit fingen die Regeln des Männer-Lacrosse an, sich stark zu verändern, während Frauen-Lacrosse weiterhin mit den ursprünglichen indianischen Regeln gespielt wurde. Bis etwa zur Jahrtausendwende beispielsweise spielten die Damen noch ohne feste Seitenlinien – vielmehr wurde als Anhaltspunkt eine Baumreihe, die nächste Wiese oder ein Strauch genommen. Heutzutage spielen Frauen und Männer Lacrosse nach völlig unterschiedlichen Regeln. Die Frauen-Lacrosseregeln limitieren den Schläger- und Körperkontakt und deshalb wird nur wenig Schutzausrüstung benötigt. Beim Männer-Lacrosse hingegen werden, ähnlich dem Eishockey, Helme, Rippen- und Schulterschutz und Handschuhe getragen.

Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis und bei den Spielen 1908 in London war Lacrosse bei den Männern Wettkampfdisziplin, bei den Spielen 1928 inAmsterdam, 1932 in Los Angeles und 1948 in London war es im olympischen Vorführungswettbewerb.

Anschließend allerdings versank der Sport Lacrosse für eine Weile in der Versenkung. Weder die Indianer noch die US-Amerikaner und Kanadier zeigten noch ein großes Interesse für den Sport. Er überlebte einzig als Collegesportart an einigen Prepschools der Ostküste. Dabei wäre es wohl auch geblieben, denn der Wachstum des Sports war durch einige Faktoren limitiert. Zum einen war der Sport durch seinen Charakter, ein „Sport der Elite“ zu sein, nur einer kleinen Bevölkerungsschicht zugänglich, zum anderen gab es nur wenige Indianer, die in der Kunst der Anfertigung von Lacrosse-Schlägern ausgebildet waren. Erst durch die Einführung des Kunststoffschlägerkopfs wurde Lacrosse dann einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. 2007 spielten rund 47.000 Kanadier eine vor allem in Kanada gespielte Variante des Lacrosse, das Box Lacrosse. Erheblich erfolgreicher ist noch Inter Crosse, das Männer und Frauen gemeinsam spielen, und das ebenfalls ohne Kontakt gespielt wird. Es wird von 250.000 Kanadiern gespielt, darüber hinaus weltweit in 45 Staaten.

1987 wurde die National Lacrosse League (NLL) gegründet. Hier treten 15 Teams aus drei kanadischen und acht US-amerikanischen Städten gegeneinander an. In den letzten sieben Jahren war die Mannschaft von Toronto mit fünf Meisterschaften die erfolgreichste. 1994 erhob das kanadische Parlament Lacrosse zur Nationalsportart. Bei der Weltmeisterschaft im australischen Perth besiegten die USA Kanada und Australien besiegte die Irokesen. Die Weltmeisterschaft 2006 fand in London, Ontario statt. 2007 fand die Indoor- oder Hallen-Weltmeisterschaft in Halifax statt.

Die Frauen spielten unter der Ägide der 1972 gegründeten International Federation of Women’s Lacrosse Associations 2005 in Annapolis, Maryland. Australien gewann vor den USA, England und Kanada. Hier sind die US-Amerikanerinnen führend. Inzwischen gehören zehn internationale Teams zur Association.

Allgemeines

Gespielt wird auf einem 55 m breiten und 102 m langen Feld. Das Tor ist 1,83 m x 1,83 m groß und befindet sich im Gegensatz zu den meisten anderen Ballspielen nicht am jeweiligen Spielfeldende, sondern 14 m davor. Der Ball besteht aus Gummi, hat einen Umfang von 20 cm und wiegt ca. 140 g. Er wird mit dem Schläger gefangen, getragen und geworfen. Der Schläger, genannt Crosse oder Stick, ist zwischen 101 und 183 cm lang und nicht dicker als 2,5 cm. Der Schlägerkopf besteht meist aus Kunststoff. Im Schlägerkopf ist ein Netz, die sogenannte „Pocket“, geknüpft, das gleichzeitig präzises Passen und Ballkontrolle ermöglichen soll. Der Schaft besteht entweder aus Holz, Aluminium, Titan oder Kohlefaser.

Gespielt wird bei den Herren 4 x 20 oder 4 x 15 (amerikanische Ligen) und bei den Damen 2 x 30 Minuten.

Teams, Spieler, Ausrüstung (Herren)

Eine Mannschaft besteht aus bis zu 23 Spielern (unter NCAA-Regeln beliebig viele). Während eines Spiels dürfen sich höchstens 10 Spieler gleichzeitig auf dem Spielfeld befinden. In der Regel bestehen diese aus 3 Angriff-Spielern, 3 Mittelfeld-Spielern, 3 Verteidigungs-Spielern und einem Torwart. Die Spieler dürfen nach belieben zwischen den beiden Spielfeldseiten wechseln. Es muss lediglich beachtet werden, dass mindestens 3 Spieler einer Mannschaft auf der gegnerischen und 4 Spieler (incl. Torwart) auf der eigenen Spielfeldseite vertreten sind (Abseitsregel), dabei ist die eigentliche Position nicht von Bedeutung. Geht z. B. ein Verteidiger oder der Torwart über die Mittellinie so muss ein Mittelfeldspieler oder Angreifer zurück bleiben. Mittelfeld und Angriffsspieler benutzen meist kurze Schläger (ca. 1 m lang), Verteidiger meist lange (ca 1,80 m) Schläger. Es dürfen sich jeweils nur 4 lange Schläger pro Mannschaft gleichzeitig auf dem Feld befinden. Der Torwart trägt einen Schläger zwischen 1,00 m und 1,80 m, dieser hat aber einen deutlich breiteren Schlägerkopf um die Bälle besser abwehren zu können. Um das Tor befindet sich ein Kreis mit 9 Fuß (ca 3m) Radius, in den kein gegnerischer Spieler hineintreten darf.

Jedes Team muss mindestens einen Kapitän bestimmen, der aber kein Erkennungssymbol tragen muss. Das Auswechseln von Feldspielern ist nicht nur während Spielunterbrechungen möglich, sondern kann auch „fliegend“ erfolgen. Um Verletzungen vorzubeugen, ist eine Schutzausrüstung vorgeschrieben. Alle Spieler müssen einen Helm und Handschuhe tragen. Außerdem wird in den meisten Fällen auch noch mit Ellenbogenschützern, Schulterschützern und einem Unterleibsschutz gespielt. Der Torwart benötigt zusätzlich einen Brustpanzer, Kehlkopfschutz und einen Unterleibsschutz. Wahlweise trägt er Beinschützer und Schutzhosen. Häufig verzichtet er auf Ellenbogenschutz um beweglicher zu sein.

Positionen (Herren)

  • Angreifer: Es stehen drei Angreifer auf einmal auf dem Feld. Dabei benutzen diese einen Shortstick, also den normalen Lacrosseschläger. Die Angreifer sollten über gute Schläger-Technik (stickskills) verfügen, da sie als Gegner größtenteils den Verteidiger haben. Des Weiteren sollten sie die Fertigkeit haben, das Spiel insgesamt zu überblicken und zu wissen, wo sich ihre Mitspieler befinden.
  • Mittelfeldspieler: Es stehen 3 Mittelfeldspieler zu gleichen Zeit auf dem Spielfeld. Sie werden in offensive und defensive Mittelfeldspieler unterschieden. Sie sind die bewegungsbelasteten Spieler auf dem Feld, was dazu führt, dass sie oft ausgewechselt werden. Die Mittelfeldspieler tragen den Ball in die gegnerische Zone und versuchen dort den Angriff aufzubauen. In der Verteidigung übernehmen sie meist die gegnerischen Mittelfeldspieler. Sie übernehmen zumeist den Face-Off.
  • Fogo: (engl: Face-Off, Get Off) ist ein Mittelfeldspieler, der nur beim Face-off eingesetzt wird um diesen auszuführen. Er wird danach so schnell wie möglich ausgewechselt. Im amerikanischen College-Sport ist dieses weit verbreitet, in anderen Ligen ist es seltener, da hier die Face-Off-Spezialisten ansonsten auch noch gute Spieler sind und man nicht über eine so große Auswahl an guten Ersatzspielern verfügt.
  • LSM: Ein Mittelfeldspieler kann einen langen Schläger erhalten (LSM = Long stick Middie). Dieses ist ein taktisches Manöver, um besser verteidigen zu können. Insgesamt dürfen sich nur bis zu vier lange Schläger pro Team gleichzeitig auf dem Feld befinden. Der LSM wird im Angriff meist gegen einen Mittelfeldspieler mit kurzem Schläger ersetzt. Trotzdem braucht er neben guten Abwehrfähigkeiten auch gute Stickbeherrschung, da er Konter laufen oder sich in den Angriff einbringen muss.
  • Verteidiger: (Defense) Es gibt drei Verteidiger mit langen Schlägern (long sticks). Verteidiger benutzten ihren großen Schläger dafür, den Gegner in jeglichen Formen zu checken und somit Tore zu verhindern und einen Ballverlust des Gegners zu provozieren.
  • Torwart: (Goalie) Die Aufgabe des Torwarts ist es, das eigene Tor zu schützen, also die gegnerischen Schüsse zu stoppen. Der Torwart ist für die Organisation der Verteidigung zuständig und unterstützt sie z. B. durch Ansagen der Ballposition. Der Torwart sollte eine gut hörbare Stimme haben, um seine Mitspieler korrekt koordinieren zu können. Des Weiteren sollte er über physische wie psychische Kraft und auch gute Reflexe verfügen, da er durch schnelle Bewegungen den Ball, der über 160 km/h schnell werden kann, verletzungsfrei stoppen können sollte.

Schiedsrichter

In der Regel stehen vier Schiedsrichter auf und neben dem Platz. Sie werden in einen Haupt-Schiedsrichter, zwei weitere Feldschiedsrichter und einem CBO (Bankschiedsrichter) eingeteilt. Die Schiedsrichter haben Kontrolle über die Spieler und Trainer. Alle vier achten auf Sicherheitsrisiken und Regelverstöße und dürfen pfeifen. Dabei ist der CBO aber eingeschränkt: er achtet lediglich auf die Strafzeiten, Wechselfehler und unterstützt bei der Überwachung der Abseitsregeln. Er darf bei anderen Verstößen, die ihm auffallen, nicht pfeifen, aber die anderen Schiedsrichter informieren. Ein fünfter Schiedsrichter wird oft als Ersatzschiedsrichter eingesetzt. Dieser nennt sich Bankmanager (BM) und unterstützt den CBO, darf aber keine Regelverstöße ahnden. Neben den Schiedsrichtern gibt es die Zeitnehmer und Anschreiber, die einerseits die Spielzeit und die Strafzeiten stoppen, andererseits die Tore mit ihren Assists aufschreiben.

Spielablauf

Gestartet wird das Spiel bei den Herren mit einem Faceoff, bei den Damen mit einem sogenannten Draw. Beim Faceoff knien oder hocken die beiden Spieler der Mannschaften, die den Faceoff durchführen am Mittelpunkt gegenüber und versuchen nach dem Anpfiff, den Ball zu erobern oder einem ihrer Mitspieler zu zuspielen. Bei den Damen wird der Ball zum Draw zwischen die beiden Schlägern der durchführenden Spieler geklemmt und beim Anpfiff in die Luft geworfen. Während des Spiels darf der Ball beliebig lang getragen werden; es gibt also keine Vorschrift, wann ein Ball gepasst werden soll. Die angreifende Mannschaft wechselt, wenn die Gegenmannschaft den Ball erobert hat. Zu jeder Zeit ist es einem verteidigenden Spieler erlaubt, den Schläger des Gegenspielers mit dem eigenen Schläger zu schlagen, um den Ball freizubekommen. Bei den Herren ist der Kontakt zwischen den Spielern Teil des Spieles, weshalb diese den Gegenspieler auch mit Körpereinsatz vom Ball trennen bzw. fernhalten dürfen. Damenlacrosse kennt hingegen keinen starken Körpereinsatz, weshalb die Damen den Gegenspieler allenfalls etwas “schieben” dürfen. Ziel des Spieles ist es, mehr Tore als die gegnerische Mannschaft zu erzielen

Strafen der Herren

Strafen werden von den Schiedsrichtern ausgesprochen. Dabei wird zwischen technischen und persönlichen Fouls unterschieden. Die Strafe für ein technisches Foul ist entweder Ballbesitz für die gefoulte Mannschaft oder 30 s Zeitstrafe (wenn die gefoulte Mannschaft schon im Ballbesitz ist). Ein persönliches Foul zieht immer eine Zeitstrafe von 1, 2 oder 3 min nach sich. Es gilt der Grundsatz: “was legal beginnt endet legal”. Das heißt, wenn ein Gegenspieler sich kurz vor dem Kontakt wegdreht und deswegen zum Beispiel von hinten geschubst wird, so ist dies kein Foul. Besonders schwere Fouls können auch mit dem Ausschluss eines Spielers vom Spiel geahndet werden. Dieser darf dann nach 3 min durch einen anderen Spieler der Mannschaft ersetzt werden. Hat ein Spieler 5 persönliche Fouls begangen ist er Fouled Out, was einem Ausschluss des Spielers gleich kommt. Ein Spieler der ein Ausschlussfoul begangen hat, wird in Deutschland im Unterschied zum Fouled Out für mindestens ein weiteres Spiel gesperrt.

Die häufigsten technischen Regelverstöße sind

  • push (Schubsen von hinten, manchmal auch push from behind)
  • interference (Behinderung)
  • illegal offensive screen (Aufhalten eines Abwehrspielers durch einen sich bewegenden Angriffsspieler ohne Ball)
  • hold (Halten)
  • offsides (nicht mindestens 3 Spieler in der Angriffshälfte oder 4 Spieler in der Verteidigungshälfte)
  • warding (Abschirmen des Balls mit der Hand die den Schläger nicht umfasst)
  • crease violations (unerlaubtes Betreten des Torkreises oder Behindern des Torwartes)
  • illegally touching the ball (Berühren des Balls oder des Schlägerkopfes der den Ball enthält mit der Hand oder dem Handschuh)
  • illegal procedure (unerlaubte Handlung, unter diesem sind verschiedene Verstöße zusammengefasst, wie zu viele Spieler auf dem Feld oder Spielverzögerung)

Die persönlichen Fouls sind

  • slashing (unkontrolliertes Schlagen mit dem Schläger oder das Treffen eines anderen Körperteils als die Hand die den Schläger umfasst),
  • illegal bodycheck (unerlaubter Bodycheck, z. B. von hinten oder gegen den Kopf)
  • crosse-Check (ein Check mit dem Teil des Schlägers zwischen den Händen),
  • unsportsmanlike conduct (unsportliches Verhalten),
  • unnecessary roughness (übertriebene Härte),
  • tripping (Stick- oder Beinstellen)

Eine Besonderheit im Lacrosse stellen die Flaggen dar. Bleibt ein gefoulter Spieler im Ballbesitz, so unterbricht der Schiedsrichter das Spiel nicht, sondern wirft eine Flagge. Die Unterbrechung (durch Pfiff) erfolgt erst, wenn der Angriff abgeschlossen ist.

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